








VERGLEICH KOPF - GIOTTOS MH-1301 vs. BENRO KB-1
Foto und Bericht von Benjamin Hangs - Vielen Dank!
Bericht:
*_Ein paar Worte im Voraus. Bislang habe ich einen Manfrotto 804RC2 benutzt. An
sich war dieser ganz ok, aber er war mir irgendwann zu schwer und vor allem zu
sperrig und nervte mich zunehmend. Also habe ich mich eine ganze Weile bei den
Kugelköpfen umgesehen und feststellen müssen, dass man bei diesen ordentlich
Federn lassen kann im Geldbeutel! :) Unter allen Umständen wollte ich einen Kopf
mit Friktion. Ich hatte keine Lust beim Lösen der Klemmung ein einziges
Rumgebaumel der Kamera zu haben, wie ich es von einem Freund kannte.
Meine Suche brachte mich anfangs zum 40er Modell von RSS. Dieser war mir
allerdings ein gutes Stück zu teuer. Ebenso wie der Classicball 3 von Novoflex.
Auf Manfrotto hatte ich keine Lust mehr, da ich vom 490er im Geschäft absolut
nicht überzeugt war und mir zudem ein ARCA kompatibles System in den Kopf
gesetzt hatte. Das RC2 System hatte mich von Beginn an genervt.
Lange Rede kurzer Sinn...meine Suche führte mich zunächst zu Benro, Cullmann und
Giottos. Ich entschied mich den Benro KB-1 und den Giottos MH 1301 zu bestellen.
Zu diesen beiden möchte ich jetzt gerne einen kleinen Bericht liefern.
_*
a) Giottos MH 1301:
*_Anfangs tauchte dieser Kopf gar nicht in meinen Überlegungen auf....wie es
wohl bei vielen Leuten der Fall zu sein scheint. Man findet sehr wenig
Erfahrungsberichte darüber. Das Datenblatt des 1301 und meine sehr positiven
Erfahrungen mit der Qualität des Giottos MM9970 liesen mich jedoch einen Versuch
wagen.
Soviel vorweg, ich bin schlichtweg begeistert. Schon das auspacken war die
reinste Freude. Der Kopf wird mit einem Samtbeutel, einem Imbus und einem
Adapter für 1/4'' Gewinde geliefert....ach genau und ein hübsches kleines
Metalllogo von Giottos :)
Der Kopf fasst sich sehr wertig an. Mit Ausnahme der Riffelung an den
Einstellknöpfen ist alles aus Metall gefertigt. Ein erstes Spielen an den
Knöpfen zwang meine Mundwinkel nach oben... Es fühlt sich alles sehr wertig an,
sehr geschmeidig. Einzige der Feststellknopf für die Wechseleinheit läuft recht
rauh und scheint nicht geschmiert zu sein.
*Die Friktion* ist einwandfrei dosierbar...meine maximale Belastung ist eine 20D
mit 70-200 f4 L. Diese bereitet dem Kopf keinerlei Probleme und den
Friktionsknopf kann man noch wesentlich weiter drehen als es für meine
Kombination nötig ist. Der Kopf wird mit 12kg beworben. Ich weiß nicht ob er bei
8kg oder dergleichen noch eine so gute Figur macht wie mit meiner Kombi, aber
5kg trau ich ihm auf jeden Fall locker zu. Bei den von mir verwendeten
Kombinationen zieht der Kopf kein bisschen nach, der Bildauschnitt bleibt wie er
eingestellt wurde. Eine Sache möchte ich nicht verheimlichen. Wenn ich mein
Tokina 100mm Makro ansetze und die Kombi für die Horizontale / nach hinten
neigen justiere, dann würde die Kombi sich beim nach vorne neigen langsam
absenken und nicht mehr stehen bleiben. Ich denke allerdings, dass das auch bei
teuren Köpfen nicht anders sein dürfte. Die Friktion muss man dann eben leicht
nachregulieren, weil der Schwerpunkt zu weit nach vorne wandert. Die Kugel läuft
im übrigen sehr angenehm .
*Zum Wechselsystem*: Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich unbedingt ein ARCA
kompatibles System wollte. Anfangs wusste ich gar nicht, dass das auf das
Giottos System zutrifft, deswegen fand ich ihn zuerst auch uninteressant. Habe
es mehr durch Zufall gelesen. Es konnt mich bislang jedenfalls vollauf
überzeugen. Man kann die Platte von beiden Seiten einschieben, oder direkt
reinsetzen wenn der Feststellknopf weit genug gelöst ist (dieser ist
unverlierbar). Ein kleiner Sicherungsstift hindert die Platte am rausrutschen.
Die Schraube auf der Unterseite (für die Befestigung an der Kamera) ist sehr gut
gemacht. Nicht so nervig schwergängig wie bei Manfrotto. Was ich auch als sehr
angenehm empfunden habe, ist die Möglichkeit einen geringen Längsausgleich zu
machen. Mit der optionalen Platte MH649 könnte man also eine sehr günstige
Nodalpunktschiene erhalten, sie kostet nur um die 30-40€. Weiteres Schmankerl
ist in meinen Augen die Verwendung von Kork an Stelle von Gummi :) Und ebenfalls
enorm nützlich ist eine Ausklappbare Verdrehsicherung...diese erfüllt ihren
Zweck an meiner 20D und auch an der Stativschelle des 70-200er sehr gut.
Natürlich ist eine Lösung, wie die speziellen Bodenplatten von Kirk und RSS
eleganter, aber der Zweck wird auch hier erfüllt. Einfache Lösung für ein
Problem das mich beim RC2 System beim Schwenken ins Hochformat immer sehr
ärgerte. Zu guter letzt ist noch die Hochformatlibelle im Feststellknopf zu
nennen...Einfach eine praktische Detaillösung.
Eine Sache noch die bei mir wesentlich mehr Vertrauen weckt, als es beim KB-1
der Fall ist: Im Schnittbild des Giottos sieht man, dass Friktions und
Feststellknopf beide einen Keil gegen den Ring schieben in dem die Kugel ruht.
Wie man im Vergleich des Benro mit dem Classicball sieht wird es bei Benro so
gelöst, dass die Schrauben direkt gegen den Ring drücken in dem die Kugel
liegt...das finde ich nicht sehr geschickt gelöst.
Was gibt es also *negatives*?! Mir fallen nach der bisherigen Nutzung zwei Dinge
ein.
1. der etwas grobgängige Feststellknopf der Wechselplatte
2. für eine optimale Verdrehsicherung des Kopfes mit den Madenschrauben des
Stativtellers müsste der Grundteller des Kopfes etwas größer sein. Hält aber
auch so ohne sich loszudrehen, selbst bei streng eingestellter Friktion.
*FAZIT*: Ich weiß nicht wie gut die Luxusversionen von RSS etc sind, aber in
einer Sache bin ich mir absolut sicher... Bei dem hier beschriebenen Giottos
bekommt man für 112€ (inkl Wechselsystem) enorm viel Kugelkopf für sein Geld.
Die Qualität ist einwandfrei und auch die Bedienung macht sehr viel Freude. Noch
dazu bietet der Kopf sehr schöne Detaillösungen, besonders beim Wechselsystem.
Mein Urteil ist demzufolge eindeutig: Wer einen Kugelkopf mit Friktion und
Arca-kompatiblem System sucht und unter 150€ ausgeben möchte, der kommt am
Giottos nicht vorbei! Und bereuhen wird der Käufer es vermutlich auch nicht.
Übrigens...es gibt auch noch zwei größere Varianten :) auch beide unter der 200€
Marke. Ich bin jedenfalls frisch verliebt!
*_b) Benro KB-1:
_*Wie Ihr ja bereits lesen konntet, hat mich der Giottos vollauf überzeugen
können. Wie schlägt sich also der Benro dagegen. Ich werde versuchen in der
selben Reihenfolge zu beschreiben wie oben.
Auch der Benro macht Spaß beim auspacken. Der Lieferumfang ist ähnlich wie der
des Giottos. Eine Tasche und Werkzeug. Die Tasche ist allerdings aus einem
billigen Plastik"leder" . Der Giottosbeutel aus einem angerauhten Leder, ähnlich
den Canonbeuteln und wirkt wesentlich wertiger...naja aber fairerhalber sei
gesagt, dass man diesen wohl nicht ständig in Gebrauch haben wird ;)
Auch beim Benro kann der erste Eindruck beim begutachten und anfassen
überzeugen. Die *Einstellknöpfe* wirken wertig, allerdings weniger stimmig als
beim Giottos. Sie sind zwar keineswegs schlecht, aber wirken irgendwie lieblos
draufgesteckt. Der Giottos sieht hier für meinen Geschmack einfach stimmiger aus
und wie aus einem Guss. Dazu kommt, dass man die Gummierung der Knöpfe beim
Benro mit dem Fingernagel am Rand anheben kann und dadurch auf mich keinen sehr
überzeugenden Eindruck machen. Beim Giottos scheinen sie nochmal zusätzlich
befestigt zu sein, allerdings kommt man erst gar nicht mit Fingernagel zwischen
Gummi und Metall...sehr sauber verarbeitet.
Ein Nervfaktor (für mich zumindest) beim Benro ist die Anordnung der Knöpfe...
Man hält ja mit rechts seine Kamera. Jetzt hat man entweder die Möglichkeit,
dass der Panoramaknopf zum Fotografen hinzeigt, dann ist allerdings der
Feststellknopf auch rechts. Oder ich drehe es so hin, dass der Feststellknopf
links ist, dann sieht man den Panoramaknopf aber nicht mehr. Ich persönlich
möchte den Kopf trotz Friktion festsetzen bevor ich auslöse. Das ist, wenn man
rechts die Kamera hält und dort auch der Knopf sitzt aber sehr unpraktisch.
Jemand der nur die Friktion benutzt mag da anders denken. Noch ein Wort zur
Panoramafunktion an sich, diese ist unnötig schwergängig beim drehen.
*
Die Friktion *ist auch beim Benro gut zu dosieren. Auch mit der Belastung meiner
Maximalkombi kam er ohne Probleme klar. Das einzige was mir aufgefallen ist, war
dass die Einstellknöpfe für Friktion und Panorama schwergängiger sind. Durch die
Markierungen am Giottos fällt mir persönlich auch die Dosierung der Friktion
leichter...Bereits nach kurzer Nutzung weiß ich in etwa für welche
Kamera-Objektiv-Kombi ich bei welcher Markierung sein sollte. Der Benro liefert
hier keinerlei Info wo man sich eigentlich befindet. Der Effekt, dass man bei zu
starker Neigung die Friktion leicht nachregulieren muss trifft auch auf den
Benro zu. Auch der Benro zieht bei mir im übrigen nicht nach beim klemmen.
*Das Wechselsystem* , ja das hat es mir beim Giottos angetan. Der Benro hat hier
den Vorteil, dass die Feststellung der Platte weniger kratzig ist. und dass er
etwas größere Radien an der Platte hat, wodurch das Handling auch glatter wirkt
als beim Giottos. Hier sehe ich also den Benro leicht vorne. Schade ist, dass
man die Platte nur reinschieben kann und nicht die Möglichkeit besteht sie
direkt einzusetzen. Eine Libelle im Teller und dem Knopf fehlen. Zudem ist eine
Längenausgleich nur in eine Richtung und ohne Markierungen möglich.
Der größte Nachteil ist meiner Meinung nach jedoch die Platte an sich. Die
Schraube hat einen Sechskantkopf und ist ohne das Werkzeug nicht vernünftig an
der Kamera zu befestigen. Darüber hinaus bin ich kein Fan von festziehen wie ein
Ochse. Ich mach mir da immer etwas Sorgen, dass das Gewinde ausreißt. Wie schon
erwähnt ist die Giottos Schraube da hervorragend gemacht. Wenn man den "Flügel"
bei Giottos nach dem festziehen wieder runterklappt, dann schnappt er leicht
zurück. Auch in der vertikalen Position ist er leicht fixiert...wie das gemacht
ist weiß ich allerdings nicht. Jedenfalls hatte ich beim Benro nicht nur einmal
das Vergnügen, dass mit etwas streng eingestellter Friktion, sich plötzlich die
Kamera auf dem Teller drehte, anstelle der Kugel im Kopf. Die kleinen Stopper
bei Giottos erfüllen hier Ihren Zweck.
*FAZIT: *Auch hier viel Licht und wenig Schatten. Für den Preis von knapp 90€
bekommt man auch sehr viel geboten. Der Kopf macht insgesamt einen sehr guten
und wertigen Eindruck. Meiner Meinung nach kann er im Detail allerdings nicht
mit dem Giottos mithalten. Dieser wirkt in meinen Augen nicht nur sauberer
Verarbeitet sondern bietet auch die schöneren und "liebevolleren"
Detaillösungen.
Ich kann allerdings nicht beurteilen, ob der KB-1 bei schwereren Kalibern
vielleicht einen Vorteil hat. Seine Kugel hat einen geringfügig größeren
Durchmesser als der Giottos.
*EMPFEHLUNG: *Mit beiden Köpfen macht man absolut nichts falsch. Für 90 bzw 112€
bekommt man einen wertigen und stabilen Kugelkopf der im
Preis-/Leistungsverhältnis unschlagbar sein dürfte und eine hervorragende
Ausstattung bietet. Ich habe wirklich versucht diesen Vergleich objektiv zu
halten...ich weiß nicht ob mir das einigermaßen gelungen ist. :) Ich denke man
hat gemerkt, dass der Giottos mich auf Anhieb mehr begeistern konnte als der
KB-1.
Meine Meinung kann man demnach schnell zusammenfassen. Wenn es auf jeden Euro
ankommt, dann kann man den KB-1 wirklich empfehlen. Falls es aber an den knapp
25€ nicht scheitert, dann würde ich auf alle Fälle den Giottos vorziehen. Er
wirkt besser verarbeitet und bietet die schöneren Detaillösungen. Dazu kommt,
dass ich persönlich eine gewisse Grundskepsis bezüglich den Benroköpfen hege.
Sie scheinen wirklich gut zu sein, aber man hört auch diverse Schauermärchen.
Ich vertraue hier lieber auf den guten Namen der Marke Giottos. Auch mit meinem
Einbein (MM9970) habe ich bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber das muss
letztlich jeder für sich selbst entscheiden :)